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Ölförderung wieder angestiegen. Fachleute rechnen mit Ende der Hyperinflation. Regierung betont Überwindung der Ölrentenökonomie.

Von Marta Andujo | amerika21

Nach einem Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) im dritten Quartal 2021 im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Jahr 2020 um 9,3 Prozent hat sich in Venezuela nach 32 Quartalen des freien Falls der Wirtschaft die Tendenz umgekehrt. Seine Ölproduktion konnte das Land im November auf 824.000 Barrel pro Tag (bpd) steigern, das sind 90 Prozent mehr als der Monatsdurchschnitt des Vorjahres. Nach einhelliger Meinung von Ökonomen dürfte die Hyperinflation im neuen Jahr zu Ende gehen.

Während die spanische Tageszeitung La Voz de Galicia als Hintergrund dieser Entwicklung Änderungen in der Wirtschaftspolitik der Regierung von Nicolás Maduro analysierte, befasste sich eine Reportage der Nachrichtenagentur Reuters mit den möglichen Gründen der Produktionssteigerung im Erdölbereich. Dafür erhielt Reuters nach eigenem Bekunden keine Stellungnahmen aus Caracas oder Washington. Offenkundig sind das Sanktionsregime der USA und die Möglichkeiten der Umgehung heikle Faktoren bei der Erholung der venezolanischen Wirtschaft.

Laut Reuters hat das staatliche venezolanische Erdölunternehmen PDVSA Vereinbarungen erreicht, die es ihm ermöglichen, mehr besonders schweres Rohöl zu exportfähigen Qualitäten zu verarbeiten. Große Teile des venezolanischen Öls können nur mit einem Verdünnungsmittel produziert werden, dessen Bezug durch die US-Sanktionen unterbunden wurde. Erst stetige Lieferungen aus dem Iran sollen die Situation wieder geändert haben. Zudem habe PDVSA die Hilfe kleiner Bohrfirmen erhalten, um Bohrplattformen wieder in Gang zu setzen.

Als "wichtigsten Wendepunkt" sieht Reuters ein "Tauschgeschäft zwischen den staatlichen Unternehmen PDVSA und National Iranian Oil Company (NIOC), das im September begann". Dieses habe den Bezug des Verdünnungsmittels beinhaltet, das für die Förderung und Verarbeitung der Ölvorkommen im Orinoco-Gürtel benötigt wird.

Inländische Kraftstoffverkäufe, die in US-Dollar abgewickelt wurden, sowie höhere Ölexporte nach Asien sollen es PDVSA außerdem ermöglicht haben, Schulden bei Dienstleistungsunternehmen zu tilgen, Kreditwürdigkeit wiederzuerlangen und dadurch den Betrieb von Anlagen wieder in Gang zu setzen. Indes beschränken weiterhin die US-Sanktionen und fehlende Liquidität den Zugang zu speziellen Bohrgeräten und erschweren die Modernisierung der Anlagen.

Laut La Voz de Galicia hat Maduro ökonomische Ratgeber des früheren ecuadorianischen Präsidenten Rafael Correa angehört und ein Anpassungsprogramm, das Venezuela seit 2019 durchführte, trage deren Handschrift. Dazu gehören allgemein eine Öffnung der Wirtschaft und eine vorläufige Dollarisierung im Land.

70 Prozent der Transaktionen werden nach Schätzungen aktuell durch den Dollar abgedeckt, nach Angaben des Wirtschaftsforschungsunternehmens Ecoanalítica soll die Liquidität in Dollar fünfmal größer sein als die in der abgewerteten Landeswährung Bolívar.

Infolge der Wirtschaftsreformen habe der Kapitalfluss in das Land begonnen, zitiert La Voz de Galicia den Direktor der ersten venezolanischen Investmentbank Venecapital, Rodrigo Naranjo.

Maduro selbst kam in einem Interview vom Sonntag, das der spanische Journalist Ignacio Ramonet im staatlichen venezolanischen Fernsehen VTV mit ihm führte, auf eine mögliche Erholung der Wirtschaft und die Maßnahmen seiner Regierung zu sprechen.

Er rechne in der zweiten Hälfte des Jahres 2022 mit einem Wirtschaftswachstum von 7,5 Prozent. Venezuela verfüge über seine eigenen "Wirtschaftsmotoren", das Land "hat wirtschaftliche Muskeln und industrielle und technologische Kapazitäten, es hat das Wissen, um mit seinen eigenen Motoren voranzukommen und die alte kapitalistische Wirtschaft, die vom Öl abhängig ist, zu ersetzen", betonte Maduro.

Der Staatschef bestätigte, dass die US-Sanktionen dem Land einen schweren Schlag versetzt haben, "dem Wirtschaftseinkommen und damit dem Wirtschaftseinkommen des Staates, der Arbeiterklasse, der venezolanischen Familie, der venezolanischen Geschäftswelt"... [weiter lesen: amerika21.de]

 

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