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US-Sanktionen gegen Venezuela: Erdölexporte 2020 auf historischem Tief. Versorgung mit Coronaimpfstoffen erschwert


Von Frederic Schnatterer | junge Welt vom 09.01.2021

Der Beginn der Legislaturperiode der neuen Nationalversammlung fällt nicht nur in Zeiten einer politischen Krise im Land. Auch die venezolanische Wirtschaft liegt in Folge der brutalen US-Sanktionen am Boden. Die Inflation galoppiert – die rechte Opposition um Juan Guaidó sprach am Mittwoch gar von einer 3.713prozentigen Devaluierung der venezolanischen Währung im Vergleich zum Vorjahr. Zudem brach der Export von Erdöl drastisch ein. In der Folge fehlen der venezolanischen Regierung wichtige Einnahmen.

Wie aus Dokumenten des staatlichen Erdölkonzerns PDVSA hervorgeht, aus denen am Montag die Nachrichtenagentur Reuters zitierte, exportierte Venezuela im vergangenen Jahr 376.500 Barrel pro Tag weniger als 2019. Insgesamt wurden 2020 täglich nur 626.534 Barrel Rohöl und weiterverarbeitete Produkte ausgeführt – 37,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und so wenig wie seit 77 Jahren nicht mehr.

Grund für den Einbruch sind die brutalen Sanktionen der US-Regierung unter Donald Trump. Nach dem Beschluss von gegen den Finanzsektor gerichteten Strafmaßnahmen 2017 verhängte Washington im Januar 2019 ein De-facto-Embargo gegen die Ölindustrie Venezuelas. In einem weiteren Schritt wurde gegen Schiffe und Reedereien vorgegangen, um den Export venezolanischen Rohöls zu stoppen. Auch multinationale Konzerne, die mit der PDVSA Geschäfte machten, gerieten ins Visier Washingtons. So verhängte das US-Finanzministerium im März 2019 Sekundärsanktionen, also Strafmaßnahmen gegenüber Drittländern, gegen den russischen Energiekonzern Rosneft, vor den Präsidentschaftswahlen im November drohte die Trump-Regierung Unternehmen wie der spanischen Repsol und der indischen Reliance Industries, sollten sie ihre Geschäfte mit Caracas nicht einstellen.

Entgegen den Beteuerungen der Verantwortlichen in Washington treffen die Sanktionen vor allem die venezolanische Bevölkerung, die unter Treibstoffknappheit und hohen Preisen unter anderem für Lebensmittel leidet. Das zeigt sich auf besonders menschenverachtende Weise gerade in der Coronapandemie. Ein Beispiel dafür ist das bei der Bank of England eingefrorene Gold im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar (1,4 Milliarden Euro) – Geld, mit dem Caracas unter anderem medizinische Ausrüstung und Medikamente für den Kampf gegen Covid-19 kaufen wollte.

Auch die Versorgung mit Coronaimpfstoffen wird durch die US-Blockade erschwert. Am vergangenen Sonntag erklärte Präsident Nicolás Maduro gegenüber der Presse: »Die venezolanischen Ressourcen zum Kauf von Impfstoffen sind eingefroren und werden in England, Portugal, Spanien und den USA geplündert.« Zudem rief der Staatschef die Vereinten Nationen sowie die Weltgesundheitsorganisation dazu auf, zu vermitteln. Am Dienstag der vergangenen Woche konnte Caracas zumindest zehn Millionen Dosen des russischen Vakzins »Sputnik V« kaufen. Dieses soll noch vor April zum Einsatz kommen.

 

 

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